Die menschliche Wesensorganisation

Der physische Leib

Es sind vier Organisationen, die im menschlichen Organismus zusammenwirken, der physische Leib, die Lebensorganisation (Ätherleib), die Empfindungsorganisation (Astralleib) und die Ich-Organisation. Sie sind nicht zu verstehen als ineinandersteckende, beziehungslose Teile, sondern sie wirken vielfältig zusammen, ergänzen sich und arbeiten auch gegeneinander.

Der physische Leib ist das schwerstverständliche „Wesensglied“, wenn auch die anderen ungewöhnlicher zu denken sind. Einfach kann man sich vorstellen, dass der physische Leib das ist, was die Anatomie erfasst. Auf einen zweiten Blick stimmt das nicht mehr ganz. Denn das, was wir auf den ersten Blick als physischen Leib ansehen, ist schon ein Ergebnis des Zusammenwirkens aller Wesensglieder. Darum können wir den physischen Leib eher auffassen als die Fähigkeit, dieses Zusammenwirken in der physischen Welt in Erscheinung zu bringen. Die Sinne des Menschen wiederum stellen diesen physischen Organismus in Zusammenhang mit seiner Umgebung.

Die Lebensorganisation (Ätherleib)

Die Lebensorganisation (Ätherleib) belebt diesen physischen Leib, lässt ihn wachsen, gestaltet ihn, regeneriert, erhält und reproduziert ihn. Es sind so im Wesentlichen aufbauende Funktionen, die er hat. In der Seele ist der Lebensorganismus genauso tätig wie im Leib: er lässt Ideen wachsen und reifen, erhält sie in der Erinnerung, reproduziert sie, baut auch im Bewusstsein auf. Der Lebensorganismus schafft keine Inhalte in der Seele, aber er ist das Werkzeug sie zu gestalten, wachsen zu lassen, usw.

Wir finden den Lebensorganismus überall in der belebten Natur. Am reinsten, finden wir ihn im Pflanzenreich, wo seine produktive und aufbauende Kraft am deutlichsten ist. Hier werden in einem die ganze Biosphäre umspannenden Großlabor aus energiearmen Stoffen durch Photosynthese aus Licht, Wasser und Kohlensäure energiereiche Substanzen hergestellt, die die Lebensgrundlage aller anderen belebten Wesen (Tier und Mensch) sind.

Die Empfindungsorganisation (Astralleib)

Kurzgefasst ist die Empfindungsorganisation an all dem abzulesen, was das beseelte Tier der „nur“ belebten Pflanze voraus hat. Es sind Bewusstsein, Bewegung, Abbau und Ausscheidung. Es entsteht ein Innenleben, leiblich wie seelisch. Die Empfindungsorganisation baut ab, verdrängt das Leben, womit die Konstitution weniger vital und krankheitsanfälliger zugunsten eines reichen Seelenlebens wird. Jede Seelenäußerung geht mit Abbau einher – sei es im Gehirn, sei es bei der Bewegung, im Schmerz oder bei der Lust. Dieser Abbau ermüdet den Leib, woraufhin im Schlaf das Seelenleben zurückgedrängt wird.

Die Ich-Organisation

Eine Ich-Organisation hat nur der Mensch. Sie impulsiert das Wachstum und die Ausgestaltung des Leibes so, dass darinnen ein selbstbewusstes Wesen mit einem Ich wohnen kann, das wandlungs-, entwicklungs- und biografiefähig ist. Das wäre in einem tierischen Leib nicht möglich, da ein prinzipieller Unterschied besteht. Das Ich ist ein Gleichgewichtswesen und schafft als übergeordnetes Wesensglied beharrlich an dem Gleichgewicht zwischen Lebensorganisation und Empfindungsorganisation, zwischen Abbau und Aufbau. Dies findet im Herzen statt, wo beide Pole sich ständig begegnen, Rhythmus erzeugend. Das Herz ist Zentralorgan der Ich-Organisation. Die Ich-Organisation gestaltet den Leib, sie schafft in ihm die Anatomie für den aufrechten Gang.